Rocca-Gebäude
Das Rocca-Gebäude ist nach Giustina Rocca, der ersten Rechtsanwältin der Geschichte, benannt. Der Gerichtshof der Europäischen Union bringt damit zum Ausdruck, wie sehr ihm am gleichen Zugang zum Recht und zu den Gerichten und an der Chancengleichheit gelegen ist. Das Rocca-Gebäude ist mit 118 m das höchste Gebäude Luxemburgs. Es ist das jüngste Gebäude des Gerichtshofs. In ihm ist die Generaldirektion Multilingualismus untergebracht.
Wer war Giustina Rocca?
Giustina Rocca gilt als erste Rechtsanwältin der Geschichte. Sie erlangte Bekanntheit durch einen Schiedsspruch, mit dem sie am 8. April 1500 in Trani am Sitz des Gouverneurs Venedigs ein schiedsrichterliches Verfahren beendete. Sie verkündete den Schiedsspruch nicht wie damals üblich auf Lateinisch, sondern in der Sprache des Volkes, so dass das erschienene Publikum ihn verstehen konnte. Sie verlangte sodann von der unterlegenen Partei das übliche Honorar. Zu einer Zeit, als Frauen keinen Zugang zur Bildung hatten, geschweige denn Rechtsberufe ausüben durften, bestand sie also darauf, genauso behandelt zu werden wie ihre männlichen Kollegen.
Architektur und aktuelle Nutzung
Mit der Benennung seines höchsten Hochhauses nach Giustina Rocca bringt der Gerichtshof – im Einklang mit seiner Rechtsprechung – zum Ausdruck, wie sehr ihm am gleichen Zugang zum Recht und zu den Gerichten und an der Chancengleichheit gelegen ist.
Mit seinen 29 Stockwerken ist das Rocca-Gebäude das höchste Gebäude Luxemburgs (118 m).
Als Abschluss des Gebäudekomplexes fällt er bewusst etwas aus dem Rahmen. Er ist gegenüber dem Comenius- und dem Montesquieu-Gebäude leicht schräg versetzt. Auf diese Weise wird gewissermaßen ein Schlusspunkt gesetzt.
Auch wenn es von außen so aussieht, als seien es zwei miteinander verbundene Hochhäuser, handelt es sich in Wirklichkeit um ein einheitliches Gebäude. Der eine Teil entspricht in Struktur und Abmessungen dem Comenius- und dem Montesquieu-Gebäude, der andere ist schwarz gehalten und etwas höher. Indem es Elemente des Palais und des Comenius- und des Montesquieu-Gebäudes aufgreift, fügt sich das Rocca-Gebäude wunderbar in die Gesamtarchitektur des Gebäudekomplexes ein.
Mit den anderen Gebäuden des Gebäudekomplexes ist das Rocca-Gebäude über die Galerie sowie eine große Treppe verbunden, die der ähnelt, die die Galerie mit dem Palais verbindet.
Der Rocca-Gebäude erfüllt einen hohen Energieeffizienzstandard, der dem eines Passivhauses entspricht. Der Wärmebedarf ist 55 % niedriger als bei einem Referenzgebäude. Der Primärenergieverbrauch und der CO2-Ausstoß werden dadurch um 45 % gesenkt.
Mit der Einweihung des Rocca-Gebäudes im September 2019 konnten wieder alle Dienststellen des Gerichtshofs an einem Standort zusammengeführt und wieder alle Mitglieder und Bediensteten unter einem Dach untergebracht werden.
Im Rocca-Gebäude ist derzeit die Generaldirektion Multilingualismus, die größte Dienststelle des Organs, untergebracht. Sie ist für die Übersetzung von verfahrensbezogenen Dokumenten und die Verdolmetschung von Gerichtsverhandlungen in alle Amtssprachen der Europäischen Union zuständig.
