Erasmus-Gebäude
Das Erasmus-Gebäude des Gerichtshofs der Europäischen Union ist nach dem Renaissance-Humanisten Desiderius Erasmus benannt, der für Bildung, kulturellen Austausch und unabhängiges Denken steht. Es wurde ursprünglich 1988 fertiggestellt, später aber noch einmal komplett renoviert. In ihm sind die Kabinette der Richter des Gerichts untergebracht. Außerdem gibt es 3 Gerichtssäle, in denen mündliche Verhandlungen abgehalten werden können.
Wer war Desiderius Erasmus?
Desiderius Erasmus Roterodamus (1466–1536) war ein Theologe und Philosoph. Er gilt als einer der größten Humanisten der Renaissance. In seinem umfangreichen und vielseitigen Werk hat er sich mit zahlreichen Themen (z. B. Pädagogik, Moralphilosophie, Religionsphilosophie, politische Philosophie, Rhetorik, Übersetzung) befasst. Er reiste durch ganz Europa, um seine Kenntnisse der griechisch-römischen Antike zu vertiefen. Es ging ihm dabei aber auch darum, seine Kenntnisse mit anderen zu teilen. Von ihm stammt der Satz: „Menschen werden nicht als Menschen geboren, sondern als solche erzogen!“. 1508 veröffentlichte Erasmus das Lob der Torheit, eine Satire, die von seiner geistigen Unabhängigkeit zeugt. Als überzeugter Philanthrop verteidigte er bis an sein Lebensende die Werte der Toleranz und des Friedens.
Architektur und aktuelle Nutzung
Mit der Benennung des Gebäudes nach Erasmus ehrt der Gerichtshof der Europäischen Union einen Mann mit humanistischen Idealen, der mit seinen Reisen und Übersetzungen als Integrationsfigur den Austausch zwischen den Kulturen gepflegt und gefördert hat. Erasmus galt zeitweise als „erster Europäer“.
Das Erasmus-Gebäude war die erste Erweiterung des Palais des Gerichtshofs. Wie das Thomas-More-Gebäude und das Themis-Gebäude wurde es von den luxemburgischen Architekten Paul Fritsch, Jean Herr und Gilbert Huyberechts und dem italienischen Architekten Bohdan Paczowski entworfen. Es wurde 1988 fertiggestellt, um dort 1989 das Gericht unterbringen zu können.
Ursprünglich war das Erasmus-Gebäude mit dem Palais nur durch einen 50 m langen, in den Felsen getriebenen Tunnel verbunden. Nach der kompletten Renovierung in den Jahren 2009 bis 2013 wird diese Verbindung nunmehr durch die Galerie und deren große Treppe hergestellt.
Das Erasmus-Gebäude ist mit rosafarbenem Granit verkleidet, der sehr gut mit den Bronzetönen des Palais harmoniert. Die um Innenhöfe gruppierten Baukörper sind durch Brücken und Laufstege aus Stahl und Glas miteinander verbunden.
Im Erasmus-Gebäude sind derzeit die Kabinette der Richter des Gerichts untergebracht. Außerdem gibt es 3 Sitzungssäle, in denen mündliche Verhandlungen des Gerichts abgehalten werden:
- Dalsgaard (benannt nach einem dänischen Künstler)
- Pessoa (benannt nach einem portugiesischen Dichter)
- Roter Sitzungssaal (seit 2022)
