Thomas-More-Gebäude
Das Thomas-More-Gebäude des Gerichtshofs der Europäischen Union ist nach Sir Thomas More benannt, einem Rechtsanwalt, Richter und Philosophen, der sich für Gerechtigkeit einsetzte und stets seinen Überzeugungen treu blieb. Das Thomas-More-Gebäude wurde 1993 eingeweiht. In ihm sind die Richter und die Kanzlei des Gerichts untergebracht. Außerdem gibt es dort zwei Sitzungssäle und einen Konferenzsaal.
Wer war Thomas More?
Thomas More (1478–1535) war ein englischer Rechtsanwalt, Rechtsgelehrter und Richter. Unter der Herrschaft von Heinrich VIII. machte er dann auch politisch Karriere und wurde Lordkanzler. Das war das höchste Amt im Königreich. Er fiel schließlich in Ungnade, weil er nicht damit einverstanden war, dass der König, um die Annullierung seiner Ehe zu erreichen, eine Abspaltung von der römisch-katholischen Kirche (sog. Schisma) betrieb. Da er an seinen Überzeugungen festhielt, wurde er am Ende wegen Hochverrats zum Tode verurteilt und hingerichtet. Thomas More war eng mit Erasmus von Rotterdam befreundet. Er bleibt vor allem als Philosoph und Verfasser politischer Essays in Erinnerung. Er betätigte sich aber auch als Historiker, Übersetzer und Dichter. Er war überaus gebildet und hinterließ ein umfangreiches Werk. Er war aber auch ein wohltätiger Mann. Er verurteilte jede Form von Willkür und prangerte die Ungerechtigkeit an, die den Ärmsten widerfuhr. Er steht für die Erneuerung, die den Humanismus der Renaissance kennzeichnete, und ist einer ihrer prominentesten Vertreter.
Architektur und aktuelle Nutzung
Mit der Benennung des Gebäudes nach Thomas More hält der Gerichtshof der Europäischen Union die Erinnerung an einen großen europäischen Humanisten wach und würdigt dessen Unbestechlichkeit und Willensstärke bei seinem Einsatz gegen Eingriffe in die Freiheitsrechte.
Das Thomas-More-Gebäude war die zweite Erweiterung des Palais. Es wurde 1993 eingeweiht. Es befindet sich in der westlichen Achse des Erasmus-Gebäudes und ist um vier Innenhöfe herum angeordnet. Die Eingangshalle mit ihrer weit geschwungenen, horizontal gegliederten Glasfassade spannt sich vom Erasmus- bis zum Themis-Gebäude und stellt damit eine Verbindung zwischen den Gebäuden her. Es handelt sich um eine Stahlbetonkonstruktion mit einem modularen Raster. Die Fassaden bestehen aus Granit und einer verglasten Aluminiumstruktur.
Im Thomas-More-Gebäude sind derzeit die Richter und die Kanzlei des Gerichts untergebracht. Es verfügt außerdem über zwei Sitzungssäle (Blauer Saal, Grüner Saal) und einen Konferenzsaal.
