A | Einleitende Bemerkungen des Kanzlers
Das Jahr 2025 war ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung der Institution – ein ehrgeiziges Jahr, das darauf ausgerichtet war, ihre Grundlagen zu stärken und sie gleichzeitig auf künftige Veränderungen vorzubereiten.
Alfredo Calot Escobar
Kanzler des Gerichtshofs
In Zeiten neuer Technologien, einer gewissen Umgestaltung des Arbeitsmarkts, aber auch vor dem Hintergrund hoher Erwartungen an die Union ist an die Werte zu erinnern, die der Arbeitsweise des Gerichtshofs zugrunde liegen – Qualität und Schnelligkeit der Rechtsprechung, Bürgernähe, sprachliche und kulturelle Vielfalt und optimale Verwaltung der ihm anvertrauten Ressourcen. Um die Wahrung dieser Werte zu gewährleisten, hat der Gerichtshof mehrere strategische Projekte durchgeführt, die ihn in die Lage versetzen sollen, den zu erwartenden Veränderungen zu begegnen.
Auf gerichtlicher Ebene war 2025 das erste vollständige Jahr seit Inkrafttreten der teilweisen Übertragung der Vorabentscheidungsersuchen vom Gerichtshof auf das Gericht. Sämtliche Dienststellen des Organs haben dank ihrer gründlichen Vorbereitung für eine reibungslose und kontrollierte Umsetzung der Reform gesorgt und damit ihre Anpassungsfähigkeit sowie ihre Kompetenz unter Beweis gestellt, die beiden Gerichte bei der Bewältigung ihrer neuen Herausforderungen zu unterstützen. Die erste Bilanz der Umsetzung der Reform fällt äußerst positiv aus, da alle Ziele erreicht wurden: Die Übertragung trägt dazu bei, die Bearbeitung der Rechtssachen zu verbessern und die Vorteile der Reform der Struktur des Gerichtshofs der Europäischen Union zum Nutzen aller Rechtsunterworfenen voll auszuschöpfen. Gleichzeitig wurden die neuen Vorschriften über die Veröffentlichung der Erklärungen in Vorabentscheidungsverfahren erfolgreich umgesetzt und sorgen für ein besseres Verständnis des Vorabentscheidungsverfahrens und der zur Erörterung vorgelegten Rechtsfragen.
Die Annäherung des Gerichtshofs an die Bürger gehörte ebenfalls zu den Prioritäten des Jahres. Die für Kommunikation und Informationstechnologie zuständigen Dienststellen des Organs haben in enger Zusammenarbeit intensive Anstrengungen unternommen, um die neue Website des Gerichtshofs zu gestalten, die eine völlig neu konzipierte Suchmaschine sowie die Konsolidierung des Systems zur Online-Übertragung öffentlicher Sitzungen umfasst. Parallel dazu wurde die Vielfalt der Kommunikationskanäle erweitert, insbesondere durch die Einführung von Curia Web TV, einem neuen modernen und didaktischen Instrument, das mit attraktiven audiovisuellen Formaten zu einem besseren Verständnis der Rechtsprechungstätigkeit beiträgt. Mit anderen Worten: Das Organ hat nicht nur eine übersichtlichere und benutzerfreundlichere Website geschaffen, sondern es hat nach den Bemühungen um eine Stärkung seiner Präsenz in den sozialen Netzwerken die Modernisierung seiner externen Kommunikationspolitik gegenüber der breiten Öffentlichkeit und den jüngeren Generationen abgeschlossen.
Die Attraktivität war darüber hinaus der Leitgedanke der Personalpolitik des Gerichtshofs, der zahlreiche Initiativen umgesetzt hat, um seine Fähigkeit zu stärken, das Interesse von Bewerbern aus allen Mitgliedstaaten und mit unterschiedlichen Profilen zu wecken. Das Organ hat sich daher dafür eingesetzt, attraktivere, inklusivere und transparentere Einstellungsverfahren zu schaffen, um den Kreis potenzieller Bewerber für eine Tätigkeit beim Gerichtshof zu erweitern. Einige Maßnahmen zielten direkt auf die Verbesserung der Praktikumsbedingungen ab, damit die Betreuung der Praktikanten einen gleichberechtigten Zugang für alle jungen Absolventen gewährleistet, die das Organ kennenlernen möchten. Andere bestanden darin, die Sensibilisierungsmaßnahmen gegenüber den Mitgliedstaaten, deren Staatsangehörige am Gerichtshof weniger stark vertreten sind, zu intensivieren, mit dem fortwährenden Bestreben, die kulturelle und sprachliche Vielfalt seines Personals zu stärken. Schließlich konnte der Gerichtshof durch mehrere Initiativen seine Politik der Barrierefreiheit und Inklusion vertiefen, um Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit zu bieten, dauerhaft dem Organ beizutreten und dazu beizutragen, dass es in diesem Bereich jeden Tag ehrgeiziger wird.
Getreu seinem Innovationsgeist hat der Gerichtshof bedeutende Fortschritte im technologischen Bereich erzielt. Die Integration und Entwicklung von Tools auf der Grundlage künstlicher Intelligenz wurde fortgesetzt, und parallel dazu wurde intensiv an der Ausarbeitung eines ethischen Rahmens gearbeitet, der den Anforderungen des Rechtsprechungsauftrags des Gerichtshofs in vollem Umfang gerecht wird. Von der Ausarbeitung einer Ethik-Charta für die Integration künstlicher Intelligenz bis hin zur Erstellung spezifischer Leitlinien für den Einsatz von KI-Tools in der Institution hat diese dafür gesorgt, dass der Einsatz von immer vielversprechenderen Tools erleichtert wird. Diese Instrumente erfordern jedoch ein gutes Verständnis ihrer Grenzen, der mit ihnen verbundenen Risiken und der Notwendigkeit, stets eine menschliche Aufsicht zu gewährleisten. So hat der Gerichtshof mit Entschlossenheit, aber auch mit Bedacht weitere Fortschritte erzielt, insbesondere durch die Erweiterung des Schulungsangebots für Mitarbeiter, um sie bei diesen neuen Anwendungen zu unterstützen.
Starke Werte, klare Ambitionen und unermüdliches Engagement für die Qualität der europäischen Justiz: So lässt sich dieses erfolgreiche Jahr 2025 für die Dienststellen des Organs zusammenfassen.
C | Beziehungen zur Öffentlichkeit
Den Gerichtshof besuchen
Der Gerichtshof wirkt darauf hin, das Organ den Bürgern näher zu bringen, indem er Führungen und Seminare organisiert, die dank maßgeschneiderter Programme zu einem besseren Verständnis des Unionsrechts beitragen. Die Führungen ermöglichen es, die Rolle der Unionsgerichte und den konkreten Einfluss ihrer Rechtsprechung auf das tägliche Leben der Bürger besser zu erfassen, während die Seminare, die in erster Linie für nationale Richter bestimmt sind, den Dialog zwischen nationalen und europäischen Richtern fördern. Der Gerichtshof empfängt in seinen Räumlichkeiten ein vielfältiges Publikum, bietet aber auch virtuelle Besuche an, u. a. ein Online-Schulprogramm, mit dem Schüler die Gerichtsbarkeit der Union von ihrem Klassenzimmer aus entdecken können. Im Jahr 2025 nahmen 412 Schüler an diesem Programm teil.
Die Justiz der Union verstehen
Aufgabe der Pressereferenten der Direktion Kommunikation, die alle eine juristische Ausbildung haben, ist es, Journalisten und anderen Interessierten Urteile, Beschlüsse und Schlussanträge, aber auch anhängige Rechtssachen zu erläutern. Sie verfassen Pressemitteilungen, um Journalisten und Fachleute in Echtzeit über die Entscheidungen des Gerichtshofs und des Gerichts zu informieren. Sie übermitteln den Personen, die dies beim Pressedienst des Gerichtshofs beantragt haben, regelmäßige Informationsschreiben mit Ankündigungen wichtiger Ereignisse im Gerichtskalender (mündliche Verhandlungen, Verkündungen und Verlesungen von Schlussanträgen) und wichtiger institutioneller Ereignisse, sowie „Kurzinformationen“ zu den Rechtssachen, zu denen es keine Pressemitteilungen gibt. Darüber hinaus beantworten sie E-Mails und Anrufe von Bürgern zu verschiedenen Aspekten der Tätigkeit des Gerichtshofs (Informationen zu Verfahren, Erläuterungen zu Urteilen, Rolle des Gerichtshofs, Hilfe mit der Website usw.).
Über die sozialen Netzwerke des Gerichtshofs auf dem Laufenden bleiben
Um Informationen direkt und unmittelbar zu verbreiten, ist der Gerichtshof über seine Konten bei LinkedIn und Mastodon, seine beiden X-Konten (eines auf Französisch und eines auf Englisch) sowie seine Konten bei Bluesky und Threads in den sozialen Netzwerken aktiv. Darüber hinaus verfügt er über einen WhatsApp-Kanal und einen YouTube-Kanal, auf dem in den 24 Amtssprachen vielfältige audiovisuelle Inhalte, insbesondere Animationen, für die breite Öffentlichkeit verbreitet werden, um die Auswirkungen der Rechtsprechung des Gerichtshofs auf den Alltag der Bürger zu erläutern, sowie Sendungen von Curia Web TV gezeigt werden. Auf YouTube hat der Gerichtshof im Jahr 2025 zwei neue Animationen veröffentlicht:
Transparenz der Rechtsprechung
Was passiert eigentlich, wenn ein Mitgliedstaat das Unionsrecht nicht beachtet?
Das 2025 eröffnete Instagram-Konto des Gerichtshofs richtet sich an ein breiteres und jüngeres Publikum und präsentiert seine Tätigkeiten durch eine visuelle und ansprechende Kommunikation.
Die Zahl der Follower auf allen Plattformen des Gerichtshofs wächst stetig und zeugt vom Interesse der Öffentlichkeit an seinen Tätigkeiten.
Öffentliche Sitzungen und Entscheidungen in Echtzeit verfolgen
Um den Zugang zu seiner Rechtsprechungstätigkeit zu erleichtern, bietet der Gerichtshof die Übertragung von öffentlichen Sitzungen an.
Die Verkündung der Urteile des Gerichtshofs und die Verlesung der Schlussanträge der Generalanwälte werden live übertragen. Dies gilt auch für bestimmte Urteile und Schlussanträge des Gerichts. Die mündlichen Verhandlungen des Gerichtshofs werden gemäß den Anforderungen der Verfahrensordnung zeitversetzt übertragen. Dies betrifft die mündlichen Verhandlungen des Plenums, der Großen Kammer und, in Ausnahmefällen, einer Kammer mit fünf Richtern. Die Videoaufzeichnung einer mündlichen Verhandlung bleibt einen Monat lang auf der Website Curia verfügbar.
Bei bedeutenden Urteilen stellt ein Richter, der an der Rechtssache mitgewirkt hat, die Entscheidung des Gerichtshofs in einem mehrminütigen Erklärvideo in klarer und verständlicher Sprache vor (siehe mehr im Kapitel „Die europäische Justiz transparenter gestalten“).
Vor der Übertragung einer mündlichen Verhandlung wird ein Briefing zur Erläuterung der Rechtssache in den Verhandlungssprachen auf der Website des Gerichtshofs ausgestrahlt und in den sozialen Netzwerken verbreitet.